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Zugang legen mit klammen Fingern - Offshore-Retter der Johanniter trainieren in der Hunte
21 Dezember 2016

Zugang legen mit klammen Fingern - Offshore-Retter der Johanniter trainieren in der Hunte

Elsfleth. Sieben Männer treiben in der Hunte. Die Lufttemperatur beträgt 4 Grad, das Wasser ist 6 Grad kalt. Eineinhalb Stunden halten die Männer in ihren Überlebensanzügen aus, dann beginnt ihre eigentliche Arbeit: das Retten von Menschenleben. „Die Herausforderung ist nicht nur, die Kälte auszuhalten“, sagt Jan Gartemann, Teamleiter Ausbildung und Qualitätsmanagement VENTUSmedic Offshore Rescue and Medical Services der Johanniter-Unfall-Hilfe im Ortsverband Stedingen. Er hat die Übung konzipiert und gemeinsam mit der German Wind Academy (GWA) beobachtet. „Die Kollegen müssen lernen, trotz der Kälte bei der Arbeit am Patienten klar zu denken und mit Fingerspitzengefühl zu arbeiten sowie den Eigenschutz zu beachten“, erklärt Gartemann.
 
Aufgabe war es, nach eineinhalb Stunden im Wasser in zwei Gruppen durch den Schlamm beim Maritimen Kompetenzzentrum in Elsfleth ans Ufer zu waten und dort einen Patienten zu versorgen. Dabei mussten auch Zugänge gelegt und Infusionen vorbereitet werden. Anschließend mussten sie zurück ins Wasser und nach einer weiteren Stunde Magnesiumfackeln zünden und anschließend selbsttätig einen hohen Ausstieg meistern. Bei allen Übungsteilen war Teamarbeit gefordert. „Solch eine Situation über lange Zeit im kalten Wasser verbunden mit konzentrierter und körperlich anstrengender Arbeit bewältigt man nur zusammen“, sagt Gartemann. Beteiligt waren ausschließlich Mitglieder der HEMS-TC-Crew, also das rettungsdienstliche Personal von Offshore-Rettungshubschraubern. Die Johanniter sind Teil des ganzheitlichen medizinischen Versorgungskonzeptes für Offshore-Windparks WINDEAcare und stellen zudem das Personal für die Sanitätsstationen auf Plattformen in der Nordsee.
Das Zünden der Magnesiumfackeln im in der Nordsee lebensrettend sein. Sonst ist verunglücktes Personal im Wasser nicht mehr zu finden.
 
Gemeinsam mit der German Wind Academy haben die Johanniter ein Ausbildungskonzept für Mitarbeiter in Offshore-Windparks entwickelt und schulen auch das eigene Personal. An Land muss ein Mitarbeiter im Rettungsdienst 30 Fortbildungsstunden jährlich ableisten. „Wir sind bei 120 Stunden“, betont Gartemann. Ganz besonders freue er sich, dass sich jemand an der Übung beteiligt hat, der nicht mehr im aktiven Dienst ist. Martin Hilse ist inzwischen Dienststellenleiter des Ortsverbands Stedingen und damit Chef der Offshore-Retter. Trotzdem sprang er mit in die Hunte und stand die Übung bis zuletzt durch.

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